Rückstände – ein Ergebnis zu großer Entscheidungsfreiheit

14 Oktober 2009 in Bücher, Produktivität

kueche

Bei meinen Überlegungen zu der Frage, was ursächlich ist für das Entstehen von Arbeitsrückständen, ist mir heute klar geworden, dass ein “Zuviel an Entscheidungsfreiheit” wesentlich dazu beitragen kann.

Ich bin immer wieder fasziniert von der Logistik in (gut funktionierenden) Restaurantküchen. Dort werden die Bestellungen vom Grundsatz her so abgearbeitet, wie sie durch den Kellner übermittelt werden. Es gibt in der Küche nicht die Freiheit zu sagen “Nö, Wiener Schnitzel mach ich nicht so gerne. Der Gast kann warten, bis ich andere, angenehmere Bestellungen zubereitet habe…”. Dies würde innerhalb kürzester Zeit zu absolutem Chaos führen. Ganz zu schweigen von den Gästen, die, am gleichen Tisch sitzend, ihre Speisen zu ganz unterschiedlichen Zeiten erhalten würden.
Was auch nicht vorkommt, ist die Tatsache, dass am Ende des Arbeitstages noch Bestellungen offen sind und der Gast dann bis morgen warten müsste. Die Arbeit eines Tages wird an einem Tag erledigt.

Ich spürt, worauf ich hinaus will: Rückstände können praktisch dann nicht entstehen, wenn eine klare Regelung existiert, wann und in welcher Reihenfolge (z.B. 5-Gänge-Menü) die Dinge zu erledigen sind.
Genau diese Regelungen existieren allerdings z.B. bei vielen “Schreibtischtätern” und anderen kreativ Tätigen nicht – et voila: Rückstände sind vorprogrammiert…

Demnach muss es also darum gehen, diese Entscheidungsfreiheit, wann was zu tun ist, sinnvoll einzuschränken. Aber wie soll diese Einschränkung funktionieren? Gehen wir nochmal in die Restaurantküche. Erstes Kriterium ist der Zeitpunkt, wann die Bestellung eingeht. Danach wartet die Küche auf ein Zeichen des Kellners, wann der zweite Gang fertiggestellt werden muss, usw.

Demnach arbeiten Restaurantküchen – grob gesprochen – nach dem FIFO-Prinzip: First in, first out.

Allerdings sind sicherlich noch viele andere Kriterient denkbar, welche die Entscheidungsfreiheit einschränken:

  • Priorität
    Dies ist ein ganz klassisches Auswahlkriterium, wenn es um die Frage geht, was als Erstes zu tun ist. Die Praxis zeigt allerdings, dass Priorität, so plausibel dies erscheinen mag, als einziges Kriterium oft nicht geeignet ist, die Aufgaben zeitnah zu erledigen und Rückstände zu vermeiden.
  • Heute gebracht, morgen gemacht
    Dies ist ein Prinzip, was in aller Ausführlichkeit durch Mark Forster in seinem Buch “Do it tomorrow” (engl.) beschrieben wird

    Er geht davon aus, dass im Schnitt jeden Tag soviele ToDos erledigt werden müssen, wie “eingehen”. Aus diesem Grund schlägt er vor, dass wir täglich alle Aufgaben, die am Vortag eingegangen sind erledigen. Auf diese Weise können keine Rückstände entstehen. Er nutzt damit das Konzept der “closed List” (geschlossene Liste) welche nach seiner Auffassung deutlich weniger Widerstände provoziert, als eine ewig lange offene Liste.
  • Kontext
    Der Ort an dem wir uns befinden oder die Arbeitsmittel, die uns zur Verfügung stehen können ebenfalls eine Entscheidungshilfe sein, wenn es darum geht, die jetzt zu erledigende Aufgabe auszuwählen. Dieses Konzept – Ihr habt es schon erraten ist das Herzstück von David Allens “Getting things done” (gtd). Auch hierzu existiert ein Buch des “Erfinders”, in dem er ausführlich die Art und Weise beschreibt, wie er die Aufgaben vom Tisch bekommt.  GTD ist wahrscheinlich das derzeit am meisten genannte System der Aufgabenerledigung. Das Ganze ist relativ komplex und hat für viele da draußen fast schon Religionsstatus. An dieser Stelle nur so viel: Der Kontext ist das Erste zu prüfende Kriterium für die Aufgabenauswahl. Es folgen weitere, wie die zur Verfügung stehende Zeit, der Energielevel usw. bis irgendwann, aber erst ziemlich am Ende der Liste auch die Priorität als Kriterium auftaucht.

Mit Sicherheit gibt es viele weitere denkbare Kriterien, die geeignet sind, die Entscheidungsfreiheit einzugrenzen. Ich möchte hier an dieser Stelle keine Präferenz aussprechen sondern erst noch mal ganz bewusst den Vergleich anstellen. Eins scheint klar. Am Ende wird es sicherlich die Kombination mehrerer Kriterien sein, die wirksam ist. Ich werde Euch dazu auf dem Laufenden halten, was bei mir funktioniert.

So viel erstmal von dieser Erkenntnis

Frohes Schaffen

Euer
Michael

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14 Oktober 2009 Bücher, Produktivität

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